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Team- und lernfeindliche Arbeitsstrukturen

Koennen-und-Wissen
Veröffentlicht von Matthias Hauer in Bildungspolitik · 21 Januar 2021
Tags: Arbeitsorganisation
In der Bildungspolitik wird sowohl in der Öffentlichkeit wie in den politischen Parteien kaum darüber diskutiert, dass die schulische Organisation der Arbeit von Lehrern im Kern eine der wesentlichen Bedingungen dafür darstellt, dass Schule keine lernende Organisation ist und Lehrer selbst nicht dem ständigen Selbstlernen und der Weiterentwicklung verpflichtet sind. Wie soll dann Lernen als lebenslanges individuelles Ziel in  einer modernen Informations- bzw. Dienstleistungsgesellschaft lebendig als Haltung an die Auszubildenden weitergegeben werden?     
Im folgenden erläutere ich kurz die Kernursachen dieses Mißstandes und daraus leiten sich implizit erste Forderungen für eine fortschrittliche Bildungspolitik für den schulischen Bereich ab.

1. Die Arbeitsstrukturen von Lehrern sind individualistisch und im Kern nicht teamorientiert.
Die Standardsituation eines Lehrers ist, dass er nach Stundenplan für 45 Minuten, manchmal 80-90 Minuten, in eine Klasse-/Raum-/Fachschachtel gesteckt wird. (S. dazu Post: Irrsinn Stundentakt).  In dieserFunktion soll er als zeitlich beschränkter Dompteur und Lernstoffvermittler seinen Job im Lehrfliessband (Lernen findet realtiv wenig statt) am Besten unaufffällig erledigen und juristisch belastbare Noten als Output für Schüler, Verwaltung und gegebenenfalls Eltern erbringen. Als Individualfachmann ausgebildet, soll der individuelle Lehrer diesen Job auch individuell erledigen.  Teamteaching und kollegiale Hospitationen finden kaum statt (ausser in speziellem Förder-/ oder Berufsausbildungsunterricht). Den deutschen Lehrer triff man entweder im Klassenraum oder Zuhause an und in den Zwischenpausen ist er mit Rennen und Schleppen von Materialien beschäftigt (LRS-System: "Lehrer-rennt-und-schleppt-System"). Seine Arbeitszeit wird ausschließlich in abgeleisteten Unterrichtsstunden berechnet.
Eine mögliche Richtung eines Alternativansatz wäre z.B. das schwedische Modell: Insgesamt 40 Wochenstunden (à 60 Min.) Präsenzzeit, davon ca. 18 Std. „Arbeit mit Kindern“. Das verlangt natürlich schulisch gut ausgestattete Arbeitsplätze. Diese gibt es in Deutschland für den "normalen" Lehrer in der Regel nicht, solange er nicht eine Funktionsstelle ausübt. Hier wird also an der falschen Stelle gespart.
Eine solches Arbeitsmodell mit Abrechnung nach  Anwesenheit statt der reinen Stundenplanorientierung würde umgehend sowohl Entlastung als auch Zeit für Teamarbeit bedeuten. Als erster Ansatz wäre in Deutschland ein Modell mit 20 U-Stunden Lehrverpflichtung plus 10 Stunden zsätzliche Anwesenheit machbar. Also ein 20/30-Modell. Dieses könnte sogar mit individueller Flexibilität gestaltet werden, würde aber trotzdem die Voraussetzungen schaffen, dass Lehrer sich überhaupt physich am Arbeiotsplatz Schule begegnen und regelmäßig zusammenarbeiten könnten.


2. Fehlende Leistungsanreize bzw. -belohnungen führen zu Trägheit und Entwicklungsverweigerung.
Egal ob Lehrer als Beamte oder Festangestellte arbeiten: Sie haben die absolute Arbeitsplatz- und gehaltliche Veränderungssicherheit erreicht. Sie können den deutschen Traum leben: Fast egal was ich mache, mir passiert nichts und man kann mir nichts! Das ist ja an sich ein schönes Gefühl, solange man seinen Beruf engagiert ausübt, aber leider sind nie alle engagiert. Man hat im Lehrerberuf mindestens 10% sogenannte "Hänger". Das sind Leute, die nur das Nötigste tun, wenig Interesse am Beruf haben und/oder häufig  krank sind, ohne chronisches Krankheitsbild. Das geht alles problemlos in diesem Beruf, - es passiert einem nichts. Man wird genauso bezahlt wie die/der engagierte Kolleg:in und kann sich sogar noch Vergünstigungen beschaffen, da die jeweiligen Einsatzplaner in den Schulen verständlicherweise nicht möchten, dass diese Personen ausfallen. Also vergünstigt man ihnen das Leben: Keine Zusatzaufgaben, gute Stundenpläne, etc., da man keinerlei formale Handhabe hat, sie zu besseren Leistungen zu bewegen.
Und damit sind wir beim Pudels Kern: In den Lehrerberuf muß eine wie auch immer im Detail geartete Anerkennung von Engagement und Leistung. Das können weniger U-Verpflichtungen, etwas mehr Gehalt, oder andere motivierende Parameter sein. Der Einheitsbrei von "gleicher Lohn für ungleiche Leistung" ist demotivierend und fördert schmarotzendes Verhalten und ist ein denbar schlechtes Vorbild für junge Menschen. Wie sollen junge Menschen zu verantwortungsvollen und lebenslang lernbereiten Staatsbürgern erzogen werden, wenn ihnen vorgelebt wird, dass Starrheit, Eigenbrödelei und minimalistisches berufliches Engagement belohnt werden?     

3.  Überfachliche Arbeit wird durch verengte Fachorientierung bzw. Fachlehrertum erschwert.
Die Lehrerausbildung erfolgt streng nach dem Fachprinzip z.B. Mathe, Deutsch, Englsich, etc. Das klingt auf den ersten Blick naheliegend, weil man ja als angehender Lehrer Interessenschwerpunkte hat, die man auch unterrichten möchte. Nun  ist eine solche starre Fachtrennung aber nicht im wirklichen Leben vorhanden und es wäre in der Ausildung junger Menschen enorm wichtig, viele lebensnahe, fachübergreifende Unterrichtsprojekte durchzuführen oder Unterricht in lebensorientierten Lernfeldern zu organisieren. Das wird aber durch die "Fachschachtel"-Ausrichtung in den Lehrerköpfen behindert, weil man sich ja dann auf unsicheres fachliches Terrain begeben muß.  Um dem entgegenzuwirken, sollte das Lehrerstudium 1 Zentralfach mit einem Cluster von umgebenden Fächern verbinden und die Ausbildung in Fachdidaktik- und Methodik obligatorisch auf fächerübergreifendes, vernetztes Unterrichten vorbereiten. Das würde den Lehrerberuf auch als Vorbild dem näherbringen, was man implizit von jeder/em Schüler:in erwartet: Nämlich in der Breite zu lernen und für vielen Fachgebiete Lernbereitschaft aufzubringen. Wieso gilt dies nicht auch als berufliche Notwendigkeit für den Lehrerberuf?


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Erstellt von: Matthias Hauer
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