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Lehrerstudium: Auswahl

Koennen-und-Wissen
Veröffentlicht von Matthias Hauer in Bildungspolitik · 15 März 2021
Tags: AuswahlStudiumEignungLehrer
Der Lehrerberuf ist so wesentlich für die Gesellschaft, dass man die Auswahl, darüber, wer überhaupt für den Beruf geeignet ist, nicht wie jetzt  dem Zufall überlassen kann. Die Eignung für den Beruf muss zentraler Bestandteil der Studienzulassung und der Studieninhalte sein!
Schauen wir uns zunächst die jetzige Situation etwas genauer an.

1. Wie wird man Lehrer?
Lehrer wird man, in dem man ein Masterstudium "Lehramt" erfolgreich durchläuft und anschliessend den praktischen Teil, das sogenannte Referendariat, mit einer Staatsprüfung ebenfalls erfolgreich abschliesst. Ein alternativer Weg ist der sogennannte Quereinstieg, wo man von  anderen Berufen mit akademischer Qualifikation kommend, im Kurzstudium Fächer berufsbegleitend nachholt und dann ebenfalls berufsbegleitend  den praktischen Teil der Ausbildung mit der Staatsprüfung abschliesst.

Ein fertiger Lehrer wird  in vielen Bundesländern verbeamtet, in anderen bleibt sie/er Angestellter im öffentlichen Dienst.  Man ist aber so oder so unkündbar, nur dass Beamten noch Privilegien bezüglich Versorgung im Krankheitsfall, in der Altersversorgung und auch gehaltlich wegen fehlender Zahlung von Sozialbeiträgen genießen. Wir haben also hier auf jeden Fall ein Zweiklassensystem in Deutschland, vielfach sogar in den Schulen selbst und deshalb streben angehende Lehrer bevorzugt den Beamtenstatus an.  Aber wie gesagt, so oder so wird im deutschen System nie ein Lehrer entlassen, es sei denn wegen schwerer Disziplinverstößen wie sexueller Übergriffe oder Diebstahl.

Zusammenfassend lässt sich festhalten: Lehrer werden kann man, in dem man das entsprechende Studium, das eventuell außer dem fragwürdigen  Numerus CLausus keine Zugangsbeschränkungen hat, absolviert und den praktischen Ausbildungsteil durchläuft. Danach gilt der Job im
praktischen Alltag als unkündbar, egal, was man leistet. Siehe hierzu auch den Beitrag  "Team- und lernfeindliche Arbeitsstrukturen".

2. Was hat das für Auswirkungen?
Die Möglichkeit ohne Eignungsüberprüfungen das Lehramtsstudium absolvieren zu können, und die Aussicht auf einen unkündbaren und in der Regel ortsgleichen Job, hat auf die Auswahl der Lehramtsstudenten großen Einfluss. Es werden diejenigen angezogen, die unbedingt einen sicheren Job haben wollen und/oder diejenigen, denen nichts Besseres einfällt und diejenigen, die nach einem gesellschaftlich wenig gefragten Studiengang am Studienende feststellen, dass man damit nur noch Lehrer werden kann.  Natürlich gibt es diejenigen, die sich berufen fühlen und eben neurdings aus der Not des Lehrermangels geboren, viele Quereinsteiger.

Die Berufenen und die Quereinsteiger lassen wir mal draussen, die ersteren Gruppen stellen das Hauptproblem dar. Sie sind es, die man später zu häufig als Lehrer antrifft und deren unausgeprägte Fähigkeiten und Einstellungen ungünstigerweise viele Vorurteile über den Lehrerberuf in der öffentlichen Wahrnehmung stützen. Das äußert sich dann in Lehrerwitzen wie "Vormittags recht und nachmittags frei haben".  Diese Lehrergruppe kennt im Leben nichts als Schule und Uni und wieder Schule, hält sich möglichst keine Stunde zuviel in der Schule auf, hält Fortbildungen für eine Zumutung, möchte den Rest des Lebens möglichst immer das Gleiche unterrichten, ist Einzelkämpfer und findet Teamarbeit unnötig und liebt Klagen über Schüler und derenLeistungsschwächen, die ihren häufig langweiligen und methodisch trögen Unterricht nicht zu schätzen wissen, - und das sind dann fast alle Schüler.  Man könnte das noch fortführen, aber ich denke, man versteht, was ich hier ausdrücken möchte.

Ich denke, je nach Schule handelt es ich um 10 - 30% der Lehrerschaft, denen natürlich auch wegen der vollkommen leistungsunabhängigen Bezahlung im Lehrerberuf  nie das geringste dienstliche Ungemach droht (Siehe den Beitrag  "Team- und lernfeindliche Arbeitsstrukturen"). Diese Lehrer sind für unzählige Schüler, für die einzelnen Schulen und für das öffentliche Ansehen des Lehrerberufes Gift. Und eine wichtige Ursache liegt darin, dass man als menschlich und pädägogisch ungeeignete Person leicht Lehrer werden kann!        

3. Berufseignungsprüfungen als Teil des Studieneinstiegs und des Studiums für ein Lehramt.
Aufgrund der Bedeutung der Eignung von Lehrern für Beruf, sollte das Lehramtsstudium mit Eignungstests und Gesprächen beginnen, die etwas mit den allgemein benötigten Kompetenzen dieses Berufes zu tun haben. Also kein Numerus Clausus, - dieser ist eher kontraproduktiv, gibt die falschen Anreize und baut falsche Hindernisse auf (s. auch Beitrag "Numerus Clausus"). Was wir hier brauchen sind Assessments für die wirklich benötigten Kompetenzen für den Lehrerberuf wie: Zuneigung für Kinder bzw. Jugendliche, Kommunikations- und Teamfähigkeit, Begeisterung für den eigenen fachlichen Schwerpunkt, lebenslange Lernbereitschaft und die Fähigkeit komplexe Situationen zu strukturieren. Lehrer ist ein anspruchsvoller Führungsjob!

Diese kompetenzorientierte Voreignungswahl für den Beruf sollte nach einem Einführungssemester unmittelbar mit einem betreuten praktischen Halbjahr an Schulen weitergehen. Dazu würde in etwa das Einbinden mit halber Stelle in schulische Aufgaben gehören und eine regelmäßige, praktisch orientierte Betreuung durch erfahrene Seniorkollegen. Details können hier von Fachleuten spezifiert werden, aber das Prinzip ist klar: Ein angehender Lehrer hat früh Kontakt mit Berufspraxis, diese wird ausgewertet und nach 1 Jahr weiß die/der sich noch im Studium befindliche Lehrer*in, ob sie/er diesen Beruf kann und will.   Danach kann es dann regulär im Lehramtsstudium weitergehen, wobei immer eine Teilanbindung an schulische Zwecke im Studium integriert sein sollte. Warum sollte das Studium nicht für verbundene Partnerschulen nicht Serviceleistungen übernehmen wie Vorbereitung von abgesprochenen Unterrichtseinheiten, Konstruktion von Tests und Klausuren, Unterstützung mit digitalen Tools etc.   

Diese andere Art des Zuganges und der Durchführung des Lehramtstudiums würde die Qualität der Lehrer und das Ansehen des Berufes in der Gesellschaft erheblich stärken. Hören wir auf, nicht geeignete Menschen diesen Beruf ergreifen zu lassen. Das ist für ihr Leben nicht sinnvoll, erspart vielen jungen Menschen eine elende Schulerfahrung und vermindert soziale und auch ökonomische Verschwendung gesellschaftlicher Ressourcen.

Abschließend möchte ich noch anmerken, dass erstaunlicherweise keine Partei in ihrer Bildungspolitik diese offensichtlichen Misstände in der Lehrerauswahl anprangern und umgehend reformieren will.  Es ist wie so häufig: Das Offensichtliche ist tabu, weil man mit gewohnten Strukturen brechen müßte und sich nicht bei Allen beliebt macht.


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Erstellt von: Matthias Hauer
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